In den vergangenen 100 Jahren verdoppelte sich durch wachsende Industrialisierung und der Zunahme
des Verkehrs die Konzentration an bodennahem Ozon (O3). Zur Bildung von bodennahem Ozon sind sowohl
anthropogen emittierte Stickoxide (NOx = NO + NO2) als auch vorwiegend von Pflanzen emittierte
organische Spurengase und Sonnenlicht notwendig. Sowohl Menschen als auch Pflanzen sind in der
heutigen Zeit erhöhten Ozonkonzentrationen ausgesetzt. Wie schädlich Ozon für Menschen und Pflanzen
ist, hängt in erster Linie von der aufgenommenen Ozonmenge ab. Übersteigt der Ozonfluss in die
Pflanze ein gewisses Maß, entstehen am Pflanzenblatt zunächst an vereinzelten Stellen Verfärbungen
und Nekrosen und in weiterer Folge kann es zum Absterben der Pflanze kommen. Allein durch Ozon
entstehen an landwirtschaftlich genutzten Pflanzen der globalen Wirtschaft jährlich Schäden von
einigen Milliarden Dollar.
Es ist seit langem bekannt, dass verschiedene Pflanzenarten aber auch verschiedene Genotypen einer
Art (z.B. verschiedene Tabaksorten) sehr spezifisch hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber
Ozonbelastung reagieren. So werden sensitive Tabaksorten beispielsweise als Bioindikatoren für das
Auftreten einer hohen Ozonbelastung eingesetzt. Diese unterschiedliche Sensitivität kann mehrere
Ursachen haben. So besitzen alle Lebewesen, die in einer sauerstoffreichen Umwelt leben in den
Zellen antioxidative Systeme, um die permanent gebildeten reaktiven Sauerstoffspezies zu entgiften.
Kommen diese Abwehrsysteme mit der aufgenommenen Ozondosis nicht mehr zurecht werden die Blätter
sichtbar und nachhaltig geschädigt.
Wir konnten erst vor kurzem zeigen, dass ozontolerante Tabaksorten in ihren Härchen an der Blattoberfläche einen semi-volatilen Stoff synthetisieren und diesen auf die Pflanzenoberfläche ''sprühen'', der Ozon schon an der Blattoberfläche unschädlich macht. Es gibt also Pflanzen, die ihre eigene ''Schutzcreme'' synthetisieren, um sich vor Ozon zu schützen. Diese Pflanzen sind für die in Zukunft zu erwartende Ozonzunahme schon sehr gut vorbereitet.
Mit tatkräftiger Unterstützung der Schülerinnen und Schüler als Jungwissenschaftlerinnen und
Jungwissenschaftler wollen wir in einem ersten Ansatz die räumliche Verteilung der Ozonkonzentration
im Oberpinzgau messen und die Aufnahme von Ozon in Versuchspflanzen (Ozondosisbestimmung)
abschätzen. Dazu werden die Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Experten der Universität
zunächst „low-cost“ Forschungsstationen für Ozon, NOx, Temperatur, etc. herstellen und
programmieren, sowie Versuchspflanzen, die als Bioindikatoren dienen sollten, anziehen. Diese
Forschungsstationen werden in den Heimatorten der Schülerinnen und Schüler aufgestellt und von ihnen
vor Ort betreut, um einen einzigartigen Datensatz zu generieren, der dazu dienen wird, die räumliche
Heterogenität und Verteilung von Ozon in dem inneralpinen Tal besser zu verstehen. Zudem soll damit
erstmals die räumliche Verteilung der effektiven Ozondosis für Pflanzen im Oberpinzgau bestimmt
werden.
In einem zweiten Ansatz soll unter kontrollierten Bedingungen im Labor der wissenschaftlichen Frage
nachgegangen werden, weshalb manche Pflanzen-Genotypen extrem sensitiv auf Ozon reagieren, andere
dagegen eine hohe Resistenz gegenüber Ozon aufweisen. Dazu werden Pflanzen in einem Glasbehälter
eingeschlossen und mit Ozon oder anderen Oxidantien behandelt und die Reaktion der Pflanzen darauf
erforscht. Zum Einsatz kommen hier hochmoderne, extrem leistungsstarke Techniken, um zeitlich
hochaufgelöst die Reaktionsprodukte von Ozon mit semi-volatilen Verbindungen, die auf den
Blattoberflächen der Pflanzen vermutet werden, nachzuweisen. Mit diesen Untersuchungen bewegt sich
das Projekt im Bereich aktuellster Forschung auf dem Gebiet der pflanzlichen Abwehr gegenüber
abiotischem Stress.
Chemische Abwehrmechanismen von Pflanzen in oxidativen Stresssituationen
Over the last 100 years the
concentration of ground-level ozone (O3) has doubled due to increasing industrialization and
traffic. For the formation of ground-level ozone anthropogenically emitted nitrogen oxides (NOx = NO
+ NO2), organic trace gases emitted primarily from plants and sunlight are necessary. Both humans
and plants are exposed to increased ozone concentrations. How harmful ozone is to humans and plants
depends primarily on the absorbed amount of ozone. If the ozone flux into the plant exceeds a
certain amount discolorations and necroses of isolated spots on the plant leaves are formed and can
further lead to vegetation loss. Due to ozone damage on agricultural crops billions of dollars are
annually lost for the global economy.
It is known that various plant
species but also different genotypes of a species (e.g. various types of tobacco) react very
specifically to ozone exposure. For example, sensitive tobacco types are used as bio indicators for
the occurrence of a high ozone dose. This can have several causes. Plants usually have antioxidant
systems in their cells to detoxify the permanently formed reactive oxygen species, like ozone (O3)
or hydroperoxides (ROOH). If these defense systems do not manage to process the absorbed ozone dose,
the leaves get damaged. We recently showed that ozone-tolerant tobacco varieties synthesize a
semi-volatile substance in their trichomes on the leaf surface and "spray" it onto the plant
surface. The substance decreases the amount of ozone entering the leaf. So there are plants that
synthesize their own ''protective cream'' to protect themselves from ozone. These plants are already
well prepared for the increasing ozone levels in the future.
With the energetic support of
the students as young scientists, we want to measure the spatial distribution of the ozone
concentration in the valley Oberpinzgau. In a first approach we estimate the uptake of ozone in
experimental plants. Together with the university experts the students will build and program
"low-cost" research stations for ozone, NOx, temperature, radiation and humidity. They will test
bean plants which should serve as bio indicators. These research centers will be set up in the
students’ home to generate a unique dataset that will help to a better understanding of the spatial
heterogeneity and distribution of ozone in an inner alpine valley. In addition, the spatial
distribution of the effective ozone dose for plants in the Oberpinzgau region will be determined for
the first time.
In a second approach we will
investigate under controlled conditions in the laboratory, why some plant genotypes react extremely
sensitively to ozone while others have a high resistance to ozone. For this purpose, plants are
enclosed in a glass cuvette and treated with ozone or other oxidants. With highly sensitive
instruments we will detect the reaction products of ozone with semi-volatile compounds, which are
suspected on the leaf surfaces of the plants. With these investigations the project is focusing on
state of the art research in the field of plant defense against abiotic stress.